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Gedenkfeier zum 76. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain

76 Jahre Kriegsende - Gedenken an die Befreiung - 80 Jahre Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion - "Trauern - Erinnern - Gedenken" - Kriegsgräberstätten als zeitgemäße Lernorte.

Bundesvorstandsmitglied Detlef Fritzsch und Landesvorsitzende Andrea Dombois MdL bei der Gedenkfeier zum 76. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain Dr. Dirk Reitz

Am 23.04.2021 gedachten Vertreter ausländischer Botschaften und Konsulate, des Freistaats Sachsen, der Bundeswehr, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und weiterer Organisationen des 76. Jahrestags der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers in Zeithain durch sowjetische Truppen im Jahre 1945.

Gedenkveranstaltung:

Mit der Auswahl der Redner und deren protokollarischem Gewicht wird bereits die Bedeutung des Kriegsgefangenenlagers in Zeithain und dessen Befreiung im Gedenkkalender des Freistaats Sachsen deutlich. Es ist ein jährlich wiederkehrender Termin, um der Leiden und des Todes von ca. 37.000 Kriegsgefangenen zu gedenken, die unter menschenunwürdigen Bedingungen in deutschem Gewahrsam starben. Die meisten von ihnen gehörten der Roten Armee an, deren Gedenken heute vorrangig von Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion gepflegt wird. Aber auch die anderen Nachfolgestaaten beanspruchen das Andenken an die Toten ihrer Völker zu wahren, die im Zweiten Weltkrieg kämpften und starben. Schließlich zählen noch internierte Italiener, Serben und Gefangene weiterer Staaten zu den Opfern von Zeithain.

Alle Redner betonten die Bedeutung der „Versöhnung über den Gräbern“ und unterstrichen den Appell zum Frieden in Europa und in der Welt, der von diesem Ort ausgehe und der als eine der zentralen Lehren des Zweiten Weltkriegs zu betrachten sei.

Unbeschadet dessen blieben die Konflikte unserer Tage nicht unerwähnt, die heute u. a. auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion ausgetragen werden. Alleine anhand der Flaggen, die auf der Gedenkstätte wehen, lässt sich eine traurige Bilanz der Gegenwart ziehen, so tragen u. a. Armenien und Aserbaidschan, aber vor allem Russland und die Ukraine ihre Interessengegensätze wieder militärisch aus. Die ukrainische Botschaft widmete der Veranstaltung einen ausführlichen Bericht (s. u.).

Es sprachen:

1.) Barbara Klepsch, Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Sächsische Gedenkstätten

2.) Andrea Dombois MdL, Erste Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags und Landesvorsitzende Volksbund Sachsen

3.) S. E. Denis Sidorenko, Botschafter der Republik Belarus, Berlin

4.) Milica Topalović, Erste Botschaftsrätin der Botschaft der Republik Serbien, Berlin

5.) Alesja Filonenko, Dritte Botschaftssekretärin des Generalkonsulats der Russischen Föderation, Leipzig

Worte der Besinnung und des Trosts spendete die protestantische Geistliche Grit Skriewe-Schellenberg aus Zeithain.

Das Totengedenken des Volksbunds sprach Detlef Fritzsch als Mitglied des Bundesvorstands

Bewegende Schlussworte in russischer und englischer Sprache fand Peter Franke, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain e. V.

Die Redebeiträge finden Sie am Ende der Seite als Video, den Beitrag des Belorussischen Botschafters und das Totengedenken zudem als Volltext. Für die musikalische Begleitung sorgte das Bläserquintett der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden.

Historische Einordnung:

Die Jahreszahlen 1941 bis 1945 zieren den Obelisken auf der Gedenkstätte „Ehrenhain Zeithain“ und markieren Beginn und Ende des Unternehmens „Barbarossa“, so der deutsche Tarnname für den Krieg gegen die Sowjetunion, der am 22. Juni 1941 begann.

Dieser Krieg unterschied sich vom ersten Tage an von allen bisherigen Feldzügen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, denn er war als rasseideologischer Vernichtungskrieg gegen die Völker der Sowjetunion geplant und wurde als solcher geführt. Dabei wurde der millionenfache Tod sowjetischer Bürger nicht nur billigend als Kollateralschaden der Kampfhandlungen in Kauf genommen, sondern war ein Ziel des Feldzugs. Gleiches galt für das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen, denen die deutsche Gewahrsamsmacht die kriegsvölkerrechtlich vorgeschriebene, korrekte Behandlung vorenthielt: Unterkunft, Verpflegung, Arbeitsbedingungen und medizinische Versorgung waren unzulänglich und lebensfeindlich – Schikanen und Willkür kamen hinzu.

Mit der Neugestaltung der Gedenkstätte „Ehrenhain Zeithain“ zum 70. Jahrestag des Kriegsendes im Jahre 2015 ist diese nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern im Dreiklang des „Trauerns – Erinnerns – Gedenkens“ heute ein historischer Lernort, an dem historische Bildung anhand von Kriegsgräbern vermittelt werden kann. Diese Umgestaltung darf noch immer als ein Musterbeispiel der Zusammenarbeit von Freistaat, Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und ausländischen Organisationen gelten.

Text: Dr. Dirk Reitz

Dokumentation:

Um den Überlebenden und deren Angehörigen, die auch in diesem Jahr nicht an der Feier teilnehmen konnten, die virtuelle Anteilnahme zu ermöglichen, entstand die folgende Videodokumentation.

Bildergalerie

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