Meldungen aus dem Landesverband Sachsen
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Deutsch-griechischer Austausch geht weiter

Schüler aus Görlitz zu Gast in Voukoliés/Kreta

Zu ungewöhnlicher Jahreszeit begaben sich diesmal 17 Schülerinnen und Schüler aus Görlitz auf den Weg nach Kreta, um sich gemeinsam mit ihren griechischen Gastgebern mit der deutsch-griechischen Geschichte auseinanderzusetzen. Während zu Hause bereits die Adventszeit in vollem Gange war, besuchten sie bei mildem, aber nicht immer sonnigem Dezemberwetter Kriegsgräber- und Gedenkstätten, die an die schrecklichen Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs auf Kreta erinnern.

Die Luftlandeschlacht um die Insel, bekannt unter der Bezeichnung „Unternehmen Merkur“, führte Ende Mai 1941 binnen weniger Tage zu ihrer Eroberung durch die nationalsozialistischen Truppen. Bereits diese Kämpfe zwischen den deutschen Eroberern und griechischen sowie alliierten Verteidigern forderten auf beiden Seiten Tausende Opfer, deren Gräber auf den Kriegsgräberstätten in Maleme (deutsch) und Souda (Commonwealth War Graves Commission) relativ nahe beieinander im Raum Chania liegen.

Hinzu kommen zahlreiche zivile Opfer aus der langen Besatzungszeit, die bis nach dem Kriegsende 1945 andauerte. Besonders in den inzwischen als Märtyrerdörfer bezeichneten Bergdörfern wurde erheblicher Widerstand geleistet. Die Bevölkerung zahlte dafür einen hohen Preis, denn die Besatzer rächten sich mit Massakern und Kriegsverbrechen, an die heute zumeist kleine Denkmäler erinnern, die häufig auch Ruhestätte der Opfer sind. Zu diesen zählten auch viele Frauen und Kinder.

Die gemeinsame Auseinandersetzung mit diesen tragischen Ereignissen, das Kennenlernen anderer Perspektiven und der Austausch mit Zeitzeugen am authentischen Ort trugen dazu bei, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv an der Entwicklung einer auf Versöhnung ausgerichteten gemeinsamen Erinnerungskultur mitwirken konnten. Mit kleinen Gedenkfeiern und dem Niederlegen von Blumen gedachten die Jugendlichen aller Opfergruppen dieser schrecklichen Zeit.

Ziel des Projektes war es, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, einen Beitrag zum Erhalt der Gedenkorte zu leisten und zusammen Zeichen für eine friedliche Zukunft und die deutsch-griechische Freundschaft zu setzen. Dass dies gelungen ist, wurde nicht nur beim Abschlussfest in Voukoliés deutlich, bei dem sich die Jugendlichen sowie alle griechischen Gastfamilien, bei denen die deutschen Schülerinnen und Schüler die letzten Tage verbracht hatten, versammelten und gemeinsam auf die vergangene Woche zurückblickten, gemeinsam aßen, tanzten und feierten, ohne dabei die historische Tragweite zu vergessen.

Schon bald, und zwar im April 2024, steht dann der Gegenbesuch in Deutschland an. Der Begegnungsteil in Görlitz wird dabei den Ersten Weltkrieg als historischen Anknüpfungspunkt haben. Auch hier wird sich die deutsch-griechische Gruppe wieder auf historische Spurensuche begeben und weiter an der Intensivierung der deutsch-griechischen Freundschaft arbeiten.

Die Begegnung fand im Rahmen des deutsch-griechischen Jugendaustauschs Görlitz-Kreta statt, den der Landesverband Sachsen seit 2016 zusammen mit Partnern aus beiden Ländern organisiert und durchführt. 

Wir danken dem Deutsch-Griechischen Jugendwerk (DGJW) und der Stiftung Gedenken und Frieden für die finanzielle Unterstützung.