Meldungen aus dem Landesverband Sachsen
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Stilles Gedenken zum 13. Februar

Gedenkveranstaltung auf dem Dresdner Nordfriedhof

Stilles Gedenken zum 13. Februar 2026 auf dem Dresdner Nordfriedhof

Stilles Gedenken zum 13. Februar 2026 auf dem Dresdner Nordfriedhof Volksbund, LV Sachsen

Der Volksbund Sachsen gedachte am 13. Februar 2026  auf dem Dresdner Nordfriedhof der Toten des Luftangriffs vom 13./14. Februar 1945. Am „Stillen Gedenken“ vor dem Gedenkstein für die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr nahmen Vertreter von Landtag, Staatsregierung, Landeshauptstadt, Feuerwehr, Bundes- und Landespolizei, Bundeswehr, Reservistenverband und des Volksbunds teil. Trotz schlechten Wetters fanden Dresdner Bürger den Weg zur Veranstaltung, zahlreiche weitere Gäste waren zugegen.

Der Landesgeschäftsführer, Dr. Dirk Reitz, empfing die Gäste protokollarisch und mit einem Grusswort im Namen des Volksbunds und der Landesvorsitzenden, Frau Andrea Dombois. Die Gedenkansprache hielt Vizepräsident Jörg Scheeser von der Bundespolizeidirektion Pirna. Zuvor richtete der ev. Militärdekan, Klaus Kaiser, geistliche Worte an die Versammelten, in denen er einen Bogen von den ersten deutschen Luftangriffen auf Wieluń während des Polenfeldzugs 1939 bis zum Angriff auf Dresden 1945 schlug. Es folgte die protokollarische Kranzniederlegung das und Trompetensolo vom „Guten Kameraden“, intoniert von Hauptfeldwebel d.R. Robert Oeding, sodann verlas der Vizepräsident des Sächsischen Landtags, Albrecht Pallas (SPD), das Totengedenken, und Oberst Carsten Jahn von der Offizierschule des Heeres Dresden das Einsatzgedenken. 

Unter die prominenten Gäste zählten der Sächsische Innenminister Armin Schuster, Bundes- und Landtagsabgeordnete, der Landespolizeipräsident Jörg Kubiessa und der Erste Bürgermeister Dresdens, Herr Donhauser, sowie zahlreiche weitere Vertreter von Blaulichtorganisationen, wie Landespolizei und Feuerwehr. Den protokollarischen Rahmen bildeten Ehrenformationen der Bundeswehr und der Bundespolizei.

Die schweren Luftangriffe des 13./14. Februar 1945 markieren die schärfste Zäsur der Stadtgeschichte, die seitdem in den Kategorien des „Davor“ und „Danach“ gedacht werden muss. In der Nacht vom 13./14. Februar 1945 erlebte die vormalige Haupt- und Residenzstadt die größte Zerstörung ihrer Geschichte seit der Belagerung durch die preußische Armee 1760. Dabei gingen Kulturgüter unschätzbaren Wertes verloren, vor allem waren  25.000-30.000 Tote zu beklagen, mithin circa 5 % der Vorkriegsbevölkerung. Obgleich die Verluste des Bombenkriegs in anderen Städten numerisch und prozentual deutlich höher ausfielen – man denke an Darmstadt oder Würzburg – oder Angriffe mit höherem Kräfteansatz erfolgten, wie zum Beispiel die 1000-Bomber-Angriffe auf Hamburg oder Köln, so figuriert die Zerstörung Dresdens dennoch als Chiffre des Luftkriegs schlechthin, ähnlich wie Coventry oder Hiroshima, wobei die Opferzahl nur ein Faktor der Bewertung ist. Die fruchtlose Diskussion um die Zahl der Toten vergiftete lange Zeit die Atmosphäre des Gedenkens, und noch immer finden die amtlichen Zahlen der Historikerkommission von 2010 Kritiker.

Und so bleibt die “Sinnfrage” für viele unbeantwortet: weshalb dieser vernichtende Angriff zum Kriegsende hin, der doch nichts mehr entscheiden konnte?
Ihn „sinnlos“ zu nennen, griffe indes zu kurz, denn Kriegführung folgt einer immanenten militärischen Logik. Dresden war an der Reihe: Reichweite, Flugwetter und der Rang Dresdens auf der Zielliste fielen in dieser Nacht zusammen – das Ergebnis kennen wir: der verzehrende Feuersturm, in dem die Stadt verglühte. Aus der Sicht der Royal Air Force, ein vorzeigbarbarer operativer Erfolg, ohne allzu große eigene Verluste. Verluste an eigenem Personal übrigens, die Luftmarschall Arthur Harris sein unrühmliches Epitheton „Haig the Butcher“, der Schlächter, eintrugen.

Zur Geschichte des Luftkriegs gehört seit General Erich Ludendorffs (1835-1937) Idee des Totalen Krieges und den Schriften des Italieners Giulio Douhet (1869-1930), dass die gegnerische Zivilbevölkerung und deren Moral, ihre Behausungen und Arbeitsstätten zu militärischen Zielen avancierten.
Lange galt das britische „Moral Bombing“ im Zweiten Weltkriegs vorrangig als Reaktion auf die deutschen Angriffe auf London und die britische Zivilbevölkerung ab 1940. Neue Forschungsergebnisse dazu zeigen einen weiteren Ursprung, wie Lukas Willmy in seiner Dissertationsschrift „Operation Thunderclap“ darlegt: Die „Züchtigung“ aus der Luft, die in personeller und intentionaler Kontinuität zur kolonialen Aufstandsbekämpfung im Empire der Zwischenkriegszeit stand, und sehr gezielt auf den „moralischen Effekt“ setzte. (vgl.: WILLMY, Lukas: Operation Donnerschlag: Imperiale Aufstandsbekämpfung aus der Luft und das "Morale Bombing" deutscher Städte durch die britische Royal Air Force 1945. Göttingen 2024

Dies zeigt, dass sich Geschichtsbilder auf der Zeitachse verändern, so dass nicht alles, was lange als “wahr” galt, dauerhaft die historische Wirklichkeit abbildet, wie die Neubewertung des Kriegsbeginns 1914 – und mithin der „Kriegsschuldfrage“ – seit den Schriften Christopher Clarks (2012) zeigt.

Im Schatten der Tragödien der Weltkriege des 20. Jahrhunderts und danach, noch mehr aber im Lichte der gegenwärtigen Kriege, wie des russisch-ukrainischen als erstem europäischen Staatenkrieg im 21. Jahrhundert, beweist die Devise des Volksbunds „Versöhnung über den Gräbern“ ihre zeitlos gültige Berechtigung – so schwer es fallen mag, angesichts brennender Städte und verheerter Landschaften den Frieden als höchstes Gut im Auge zu behalten.

Text: Dr. Dirk Reitz
 

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