Anfang Juni reiste ich mit einem guten Freund in die Oblast Kaliningrad, d.h. in den seit 1945 russischen Teil Ostpreußens um Königsberg.
Nach einer, für die dortigen Verhältnisse, relativ kurzen Wartezeit von 4 1/2 Stunden an der russischen Grenzkontrolle erreichten wir bei bestem Wetter Königsberg, die erste Station unserer Reise.
Wenngleich die Reise privat organisiert war, folgte ich der Bitte des Abteilungsleiters Kriegsgräberdienst und Internationale Beziehung des Volksbunds, mir unterwegs ein Bild vom Zustand der deutschen Kriegsgräberstätten (Soldatenfriedhöfe) in diesem Gebiet zu verschaffen und dies zu berichten.
Unsere Reise führte uns in die alten Kur- und Bäderorte Rauschen/Swetlogorsk und Cranz/ Selenogradsk. Wir mußten neidlos feststellen, in welch vorzeigbaren Zustand diese Orte sind und wie man dort unvoreingenommen mit der deutschen Geschichte umgeht. Sehr erstaunt waren wir auch über den gepflegten Zustand der Grabanlagen aus dem 1. WK, wie z.B. die Anlagen in Kauschen/Meschduretschje oder die Anlage bei Maickoje, wo russische und deutsche Soldaten aus dem 1. WK gemeinsam bestattet wurden.
Mein persönlicher Wunsch war es auch den Friedhof in Insterburg/Tschernjachowsk zu besuchen. Hier ist der ehemalige Kamerad meines Onkels Horst Kunstmann, Ernst Renger, bestattet.
Auch diese Anlage war in einem ordentlichen Zustand. Unser nächstes Ziel war Tilsit/Sowjetsk*). Dort trafen wir uns mit Anatoli Kalinichenko (79 Jahre!). Er pflegt dort schon seit 35 Jahren den Waldfriedhof von ca. 5 ha, auf dem Tote aus vier Nationen beider Weltkriege bestattet sind, überwiegend aber Deutsche. Ein Hochkreuz für die deutschen und russischen Soldaten sollte uns Mahnung sein und uns an das Volksbund-Motto „Versöhnung über den Gräbern“, erinnern.
Unser Weg führte uns durch den Ort Nemmersdorf/Majakowskoje, der im Oktober 1944 traurige Berühmtheit erlangte, als dort erstmals sowjetische Truppen auf Reichsgebiet vorstiessen.
Eine beeindruckende Reise ging zu Ende mit guten Eindrücken – auch von vielen freundlichen und hilfsbereiten Menschen, denen wir dort begegnet sind.
Es wäre wünschenswert, wenn solche Reisen unkomplizierter, so, wie bis 2022 möglich, stattfinden könnten und die Kontakte in diesen besonderen Teil Europas nicht abbrechen würden.
Text und Bilder: Ulrich Gojowczyk (VDK-Mitglied / Kreisvorstand Görlitz)
Kriegsgräberstätte: Sovetsk - Bau, Pflege und Instandsetzung | Volksbund.de
Kriegsgräberstätte: Cernjachovsk/Tschernjachowsk - Bau, Pflege und Instandsetzung | Volksbund.de
Kriegsgräberstätte: Kaliningrad - Bau, Pflege und Instandsetzung | Volksbund.de
*) Seit 1994 widmete sich der Landesverband Rheinland-Pfalz der Wiederherstellung des Waldfriedhofs in TILSIT/SOWJETSK. Unter der Leitung des damaligen Landesgeschäftsführers, Oberstleutnant a.D. Waldemar KULPE, fanden in den Jahren 1995-1997 deutsch-russische Jugendlager in Tilsit statt, deren Teilnehmer mit viel Idealismus und unter schwierigen Umständen leichte und mittlere Pflegearbeiten verrichteten. Ab 1998 übernahm dort für einige Jahre ein “Handwerkerlager” die Bau- und Pflegearbeiten. Die Teilnehmer rekrutierten sich schwerpunktmässig aus Reservisten: sie fällten Bäume, mauerten, betonierten und verwandelten die “Wüstung” in einern vorzeigbaren Friedhof, dessen historische Strukuren, wie Wege und Sichtachsen, heute wieder erkennbar sind. (Dr. Dirk REITZ)