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Meldungen aus dem Landesverband Sachsen
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Kriegsgräber in Rumänien 2026 - Ein Reiseblog

Eine Volksbundreisegruppe auf den Spuren der Vergangenheit in Rumänien 9. - 17. Mai 2026

Die Reisegruppe (Volksbundmitglieder aus unterschiedlichen Landesverbänden) - Im Hintergrund: KRONSTADT/ BRASOV (Rumänien - Transsylvanien) -Die "Schwarze Kirche" Photo: LAGOSKI

Manchmal beginnt ein besonderes Abenteuer mit einer einfachen Idee — Menschen zusammenzubringen, die gemeinsame Erinnerungen, Werte und Neugier teilen. Genau daraus entstand diese Reise nach Rumänien.

In der Tradition vieler Alumni-Projekte im Umfeld engagierter Mitglieder des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge steht auch bei dieser Reise die Begegnung im Mittelpunkt: die Erkundung der Kriegsgräberstätten des Volksbundes, das Kennenlernen der Kultur des Gastlandes sowie der Austausch mit den Menschen vor Ort.

Auf Initiative des BJAK-Vorsitzenden Dominic hat sich eine kleine Gruppe von Alumni im Alter zwischen 30 und 50 Jahren aus allen Teilen Deutschlands zusammengefunden, um gemeinsam Rumänien zu entdecken. Unsere Reise führt uns nach Brașov — dem historischen Kronstadt in Siebenbürgen — mit seinem beeindruckenden kulturellen Erbe, weiter zum berühmten Schloss Bran, das viele als „Draculas Schloss“ kennen, und schließlich in die rumänische Hauptstadt Bukarest.

Was uns in den kommenden Tagen erwartet? Spannende Begegnungen, bewegende Geschichten, historische Orte und viele gemeinsame Erlebnisse. Begleitet uns auf dieser Reise durch Geschichte, Kultur und Freundschaft — wir freuen uns darauf, unsere Eindrücke hier im Reiseblog zu teilen.

 

Reiseblog – 10. Mai 2026

Brașov/Kronstadt – eine deutsche Stadt? Eine europäische Stadt!

Nach der Anreise am Vorabend begann unser erster voller Tag in Rumänien mit der Erkundung von Brașov – dem historischen Kronstadt im Herzen Siebenbürgens. Schon nach den ersten Schritten durch die Altstadt stellte sich die Frage: Ist Kronstadt eine deutsche Stadt? Oder vielmehr eine europäische Stadt mit einem einzigartigen kulturellen Erbe?

Unser erstes Ziel war der deutsche Friedhof der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Die Anlage befindet sich in einem sehr guten Zustand; erst vor Kurzem wurde die Umfassungsmauer erneuert. Zwischen gepflegten Gräbern und stillen Wegen wurde deutlich, wie lebendig die Erinnerungskultur des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch fern der Heimat ist. Der Ort strahlt Ruhe und Würde aus und lädt zum Innehalten ein. Kriegsgräberstätte: Brasov - Bau, Pflege und Instandsetzung | Volksbund.de

Anschließend führte uns unser Weg auf den Marktplatz der Altstadt. Dort fand anlässlich des Europatages am 8. Mai ein kleines Fest statt. Bei strahlendem Sonnenschein bot das Kulturprogramm eine beeindruckende Vielfalt: moderne Popsongs wechselten sich mit traditionellen Volkstänzen ab, und sogar Beiträge in deutscher Sprache waren zu hören. Überall wehten Europaflaggen – ein sichtbares Zeichen dafür, wie sehr sich hier Geschichte, Kultur und europäische Identität begegnen.

Beim Spaziergang durch die pittoreske Altstadt entdeckten wir immer wieder Spuren des deutschen Erbes der Region. Die mittelalterlichen Befestigungsanlagen, enge Gassen und farbenfrohen Häuser verliehen der Stadt ein ganz besonderes Flair. Von zahlreichen Aussichtspunkten bot sich ein wunderbarer Blick auf die berühmte Schwarze Kirche – eines der bedeutendsten Bauwerke der Reformation in Siebenbürgen. Besonders beeindruckend war die Gedenktafel für die gefallenen Söhne des Weltkrieges, die eindrucksvoll an die deutsche Geschichte Kronstadts erinnert. Auch die vielen Wegweiser in deutscher und englischer Sprache zeigten, wie präsent dieses kulturelle Erbe bis heute geblieben ist.

Am Nachmittag führte uns unser Weg hinauf zum bekannten Brașov-Schriftzug oberhalb der Stadt. Der anspruchsvolle Wanderweg verlangte der Gruppe einiges ab: Rund 500 Höhenmeter lagen vor uns. Doch die Mühe wurde belohnt. Oben angekommen bot sich ein atemberaubender Blick über die Dächer von Brașov und die umliegenden Gebirgslandschaften der Karpaten.

So neigte sich unser erster Tag in Rumänien langsam dem Ende entgegen – voller neuer Eindrücke, bewegender Geschichte und faszinierender Ausblicke. Kronstadt zeigte sich uns nicht nur als Stadt mit deutschem Erbe, sondern vor allem als lebendige europäische Stadt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

 11. Mai 2026: Kirchenburgen, Dracula und ein bärenstarker Abschluss

Der zweite Tag unserer Rumänienreise führt uns tief in die Geschichte und die kulturelle Vielfalt Siebenbürgens – und endet mit einer Anekdote, die wir so schnell nicht vergessen werden.

Tartlau – Eine Kirchenburg, die ihren Namen verdient

Erster Programmpunkt des Tages: die Kirchenburg von Tartlau (rumänisch Prejmer). Schon von Weitem beeindruckt das massive Bauwerk – und aus der Nähe noch viel mehr. Die Anlage ist hervorragend erhalten und gehört nicht ohne Grund zum UNESCO-Welterbe. Bauernburg Tartlau – Wikipedia

Was ist eigentlich eine Kirchenburg?

Kirchenburgen sind eine Besonderheit Siebenbürgens und prägen die Region bis heute. Ab dem 13. Jahrhundert begannen die deutschsprachigen Siebenbürger Sachsen, ihre Dorfkirchen mit hohen Wehrmauern, Wehrtürmen und Schießscharten zu befestigen. Der Grund war ganz pragmatisch: Die Region lag an der östlichen Grenze des damaligen Königreichs Ungarn und war immer wieder Plünderungszügen ausgesetzt – zunächst durch Mongolen und Tataren, später durch osmanische Truppen.

Wenn Gefahr drohte, zog sich die gesamte Dorfgemeinschaft in die Burg um die Kirche zurück. In den Wehrmauern wurden sogenannte Vorratskammern eingerichtet – kleine Räume, in denen jede Familie ihren Speck, Getreide und andere Vorräte aufbewahrte. So konnte man im Notfall wochenlang aushalten. In Tartlau sind diese Kammern noch heute zu sehen, was den Besuch besonders eindrücklich macht.

Insgesamt gibt es in Siebenbürgen rund 150 dieser Kirchenburgen – ein einzigartiges architektonisches Erbe, das es weltweit so nirgendwo sonst gibt.

Begegnung mit den Menschen vor Ort

Dank eines lokalen Kontakts hatten wir die einmalige Gelegenheit, mit der hiesigen Bevölkerung ins Gespräch zu kommen. Dieser Austausch ist von unschätzbarem Wert – und genau das ist es, was die Arbeit des Volksbundes im Sinne der Völkerverständigung ausmacht.

Beim gemeinsamen Mittagessen entstanden spannende Gespräche über das Leben in Siebenbürgen heute: über das Verhältnis zwischen Rumänen, Sachsen und Szeklern, über die Auswanderungswellen nach 1989 und darüber, wie die verbliebene deutsche Gemeinschaft ihre Traditionen pflegt.

Zum Nachtisch wurden wir zu Baumstriezel eingeladen – einer süßen, über offenem Feuer gebackenen Teigspezialität, die ursprünglich aus der szeklerischen Küche stammt und heute in ganz Siebenbürgen ein echter Klassiker ist. Eine herzliche Geste, die wir natürlich gerne angenommen haben.

Bran – Auf den Spuren Draculas

Mit vielen neuen Eindrücken machten wir uns anschließend auf den Weg nach Bran. Dort besichtigten wir das weltberühmte Schloss Bran, das eng mit der Legende um Graf Dracula verbunden wird. Obwohl Bram Stokers berühmter Vampirroman nur lose Bezüge zu diesem Ort aufweist, zieht die düstere Atmosphäre des Schlosses bis heute Besucher aus aller Welt an. Tatsächlich basiert die Dracula-Figur teilweise auf dem walachischen Fürsten Vlad III. Drăculea, der im 15. Jahrhundert lebte und wegen seiner grausamen Methoden gefürchtet war. Die Verbindung zwischen ihm und Schloss Bran entstand jedoch eher durch spätere Legenden und touristische Erzählungen. Startseite – Schloss Bran - Schloss Bran

Natürlich durfte auch der Spaß nicht zu kurz kommen: Mit Vampirzähnen ausgestattet entstanden zahlreiche lustige Fotos. Doch neben aller Dracula-Faszination hinterließ das Schloss auch abseits der Legenden Eindruck – mit seiner besonderen Architektur, den engen Treppen und der spannenden Geschichte.

Bevor die Sonne unterging, machten wir auf dem Rückweg noch Halt am sowjetischen Soldatenfriedhof in Brașov. Die Anlage befindet sich offenbar derzeit in Renovierung, denn frisch gestrichene Mauern verliehen dem Ort ein deutlich gepflegteres Erscheinungsbild. Neben sowjetischen Soldaten ruhen dort auch rumänische und italienische Gefallene des Zweiten Weltkriegs. Der Friedhof erinnerte uns eindrucksvoll daran, wie viele Nationen und Schicksale die Geschichte dieser Region geprägt haben.

Für einen letzten unerwarteten Moment sorgte schließlich unser Taxifahrer auf dem Weg zurück zur Unterkunft. Mit den Worten: „Letzte Woche waren Bären auf dem Friedhof“, begrüßte er uns bei der Fahrt. Zum Glück blieb uns eine solche Begegnung erspart.

So endete unser zweiter Tag in Rumänien – voller unterschiedlichster Eindrücke zwischen Geschichte, Kultur, Begegnungen und kleinen Abenteuern.

 

12. Mai 2026

Von: Pirkko Pauch

Versteckte Spuren der Geschichte: Ein Tagesausflug nach Sighișoara (Schäßburg)

Die Morgensonne begleitete uns, als unser Bus von Braşov aus durch die sanften Hügel Siebenbürgens rollte. Während ein Teil der Gruppe weitere Teile von Kronstadt erkundete, war unser Ziel: Sighișoara, eine der letzten bewohnten mittelalterlichen Festungen Europas und UNESCO-Weltkulturerbe.

Sighișoara, von den Sachsen im 12. Jahrhundert gegründet, empfing uns mit seinem markanten Stundturm und den bunten Bürgerhäusern der Altstadt. Kopfsteinpflaster, verwinkelte Gassen und die mächtige Bergkirche, die über der Stadt thront – hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Fünf Stunden schlenderten wir durch verwinkelte Gassen und stiegen die überdachte Schülertreppe zur Bergkirche hinauf. Das Wetter spielte mit – Sonnenschein, unterbrochen von einem kräftigen Regenschauer. Genug Zeit, um zu staunen, zu schlendern und, wie sich zeigen sollte, zu suchen.

Oben bei der Bergkirche, die seit dem 14. Jahrhundert über Sighișoara wacht, entdeckten wir auf einer Informationstafel des angrenzenden Friedhofs etwas Unerwartetes: Hinweise auf Kriegsgräberstätten aus beiden Weltkriegen. Unsere Neugier war geweckt.

Die Gräber des Ersten Weltkrieges fanden wir nach einigem Suchen zwischen den regulären Grabfeldern – gepflegt, mit schlichten Grabsteinen, stumme Zeugen eines längst vergangenen Konflikts. Angelegt von der deutschen evangelischen Gemeinde, um an die gefallenen Soldaten aus Sighișoara zu erinnern. Doch wo waren die Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg?

Hierfür brauchte es mehr als nur einen Blick auf die Karte. Keine Schilder, keine offensichtlichen Wege. Schließlich entdeckten wir einen schmalen Trampelpfad, der sich am Rand des Friedhofs in ein kleines Waldstück zog. Mit jedem Schritt wurde der Weg undeutlicher, der Boden weicher, und die Geräusche der Stadt verstummten.

Dann öffnete sich eine kleine Lichtung. Vor uns lag die Kriegsgräberstätte des Zweiten Weltkrieges – überwuchert, von der Natur zurückerobert, fast vergessen. Namen, Daten und Einheiten - in einem Winkel Siebenbürgens, den kaum noch jemand besucht.

Die Stille an diesem abgelegenen Ort stand in starkem Kontrast zum lebhaften Treiben in der Altstadt nur wenige hundert Meter entfernt. Es fühlte sich an wie eine Zeitkapsel, ein Ort, der uns daran erinnerte, dass Geschichte nicht nur in Museen und auf Informationstafeln existiert, sondern manchmal im Verborgenen liegt, darauf wartend, wiederentdeckt zu werden.

Als wir den Pfad zurück zum Hauptfriedhof nahmen und später wieder in die belebten Gassen der Altstadt hinabstiegen, hatte sich unsere Perspektive verändert. Sighișoara ist nicht nur eine pittoreske Kulisse für Urlaubsfotos – es ist eine Stadt mit vielen Schichten, in der Jahrhunderte der Geschichte aufeinandertreffen. Manchmal sind es gerade die ungeplanten Entdeckungen, die versteckten Orte abseits der Touristenpfade, die eine Reise unvergesslich machen.

Text von Frau Pirkko Pauch (langjährige Teamer/Campleiterin Lettland)

13. Mai 2026

Tagesausflug nach Sinaia – Zwischen Geschichte, Bergen und spontanen Planänderungen 

Um dem regnerischen Wetter in Brașov zu entkommen, machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Sinaia. Schon die Fahrt durch die Karpaten war beeindruckend und ließ die Vorfreude auf den Tag wachsen. 

Spaziergang durch den Ort 

Vom Bahnhof aus schlenderten wir durch den Kurpark, vorbei am historischen Casino, einem prachtvollen Belle-Époque-Bau aus dem Jahr 1913. Direkt dahinter entdeckten wir einen „Heldenfriedhof“ aus dem Ersten Weltkrieg. Hauptsächlich liegen hier rumänische Gefallene, daneben aber auch österreichisch-ungarische und deutsche Soldaten. Jede Nation ist an der Form der Grabsteine leicht zu erkennen. 

Die Grabsteine selbst befanden sich größtenteils noch in einem guten Zustand. Die Anlage insgesamt könnte jedoch etwas mehr Pflege vertragen – zumindest war das unser Eindruck. Vor allem im deutschen Bereich stand das Gras teilweise fast kniehoch. Zudem waren deutliche Risse am Denkmal zu erkennen. Ein umgestürzter Baum lag ebenfalls noch auf dem Gelände, hatte glücklicherweise aber keine der Betonkreuze beschädigt. 

Besuch im orthodoxen Kloster 

Auf dem Weg zum Schloss machten wir einen Abstecher zum orthodoxen Kloster Sinaia, das dem Ort auch seinen Namen gegeben hat. Auf dem Gelände besichtigten wir die beiden Kirchen, deren schöne, gut erhaltene, alte Gemälde uns besonders beeindruckten. 

Schloss Peleș 

Im Anschluss gingen wir weiter zur ehemaligen Sommerresidenz der rumänischen Königsfamilie, dem berühmten Peleș Castle. Das Schloss sahen wir uns zwar nur von außen an, doch schon der Anblick der Anlage vor der Bergkulisse war beeindruckend. 

Plan B: Mit der Seilbahn in die Berge 

Eigentlich hatten wir geplant, noch weiter in die Berge zu wandern. Dieser Plan wurde jedoch von einem Rudel Straßenhunde durchkreuzt, das uns den Weg am Ortsausgang versperrte und ein Weitergehen unmöglich machte. Statt uns davon die Stimmung verderben zu lassen, beschlossen wir kurzerhand, ein neues Ziel anzusteuern. 

An der Seilbahn angekommen nutzten wir spontan die Gelegenheit und fuhren hinauf auf etwa 1400 Höhenmeter. Oben wurden wir mit einer großartigen Aussicht belohnt: Wolken zogen über die Berge hinweg, darunter lagen dichte Mischwälder und die weiten Hänge der Karpaten. Trotz des wechselhaften Wetters war dies definitiv einer der schönsten Momente des Tages. 

Danach ging es zurück zum Bahnhof und schließlich wieder nach Brașov. Dort ließen wir den Abend gemütlich in einem Restaurant ausklingen und probierten einige lokale Spezialitäten – ein gelungener Abschluss für einen abwechslungsreichen Reisetag.

14. Mai 2026 / Reiseblog –  Ortswechsel nach Bukarest

Und ein paar Friedhöfe

Mit dem Zug verließen wir die Karpaten und reisten weiter in die rumänische Hauptstadt Bukarest.

Nach dem Bezug des Hostels fuhren wir mit der Metro zum deutschen Soldatenfriedhof.

Einlass auf Umwegen

Als wir am Friedhof ankamen, waren alle Tore geschlossen und zusätzlich mit einer Kette gesichert. Das verrostete Tor machte deutlich, dass hier wohl nicht allzu oft jemand kam. Wir rüttelten daran, doch nichts bewegte sich. Wir waren schon kurz davor, enttäuscht umzukehren, da erschien eine Friedhofswärterin, die offenbar auf dem Gelände wohnte. Da sie weder Deutsch noch Englisch sprach, war die Verständigung zunächst schwierig. Dominic und Marco zeigten ihre Volksbund-Hoodies, auf denen das gleiche Symbol – die fünf Kreuze – zu sehen war wie auf der Tafel am Tor. Daraufhin erkannte die Wärterin, wer wir waren, und schloss uns die Anlage auf. Dominic versicherte ihr noch, dass wir nur 10 Minuten bleiben würden – ein Versprechen, das wir, wie sich noch zeigen sollte, nicht ganz einhalten konnten.

Der deutsche Soldatenfriedhof

Die Anlage stammt aus den Jahren 1917/18 und liegt am Rand eines weitläufigen Friedhofskomplexes. Sie ist die letzte Ruhestätte für mehrere tausend deutsche Soldaten beider Weltkriege. Neben den zahlreichen Einzelgräbern gab es auch einige besondere Grabstätten, darunter die Gräber mehrerer Ärzte sowie ein eigenes Feld für bulgarische Soldaten, die als Verbündete der Mittelmächte hier bestattet worden waren. Kriegsgräberstätte: Bukarest Bucuresti Pro Patria - Bau, Pflege und Instandsetzung | Volksbund.de

Am Grab von Oberst Richard Hentsch (1869–1918) erläuterte uns Dominic Lagoski die Geschichte des aus der sächsischen Armee stammenden Generalstabsoffiziers. Hentsch war ab März 1917 bis zu seinem Tod im Februar 1918 Chef des Generalstabs der deutschen Militärverwaltung im besetzten Rumänien und erhielt im September 1917 den Pour le Mérite. Bekanntheit erlangt hatte er bereits zuvor durch seine umstrittene Rolle in der Marneschlacht 1914 – die sogenannte „Sendung Hentsch", bei der er den Rückzug der deutschen Armeen veranlasst hatte. Er starb in Bukarest an den Folgen einer Gallenoperation. Ein Eintrag ins Besucherbuch schloss unseren Besuch auf dem Volksbund-Friedhof ab. Deutsche Biographie - Hentsch, Richard

Aus den geplanten 10 Minuten wurde am Ende eine ganze Stunde – es gab schlicht zu viel zu entdecken und an möglichen Pflegemaßnahmen zu planen. Als wir das Gelände schließlich verließen, war die Wärterin sichtlich erleichtert.

Angrenzende Nekropolen

Im Anschluss besichtigten wir die Nekropolen, die direkt an den Soldatenfriedhof angrenzten. Hier waren vor allem die aufwendigen Grabbauten der Sepulkralkultur sehenswert – also der Bestattungs- und Erinnerungskultur, die sich in Mausoleen, Skulpturen und Gruftanlagen zeigt. Auf dem Gelände entdeckten wir außerdem ein Gräberfeld französischer Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg.

Ausklang in der Altstadt

Den Tag ließen wir bei einem traditionellen Essen in der Bukarester Altstadt ausklingen, reflektierten das Erlebte und besprachen die kommenden Reisetage.

Text: Manuela 

15. Mai 2026 - Bukarest

Tag 8 – Bukarest zwischen Geschichte und Aufbruch

Der achte Tag unserer Reise führte uns durch die rumänische Hauptstadt Bukarest – eine Stadt voller Gegensätze, Geschichte und überraschender Perspektiven.

Am Vormittag stand zunächst die Führung durch das beeindruckende Parlamentsgebäude auf dem Programm – den berühmten „Palast des Volkes“. Das gigantische Bauwerk zählt zu den größten Verwaltungsgebäuden der Welt und wurde unter Diktator Nicolae Ceaușescu errichtet. Tausende Arbeiter waren am Bau beteiligt, unzählige historische Gebäude mussten dafür weichen. Bis heute steht der monumentale Bau sinnbildlich für die Größenphantasien der kommunistischen Zeit.

Im Anschluss besichtigten wir die neue Nationalkathedrale. Die glänzenden goldenen Dächer strahlten mit der Sonne um die Wette.

Danach führte uns unser Streifzug durch das Zentrum von Bukarest. Zwischen historischen Kirchen, prachtvollen Verwaltungsgebäuden und den typischen Wohnblocks aus der kommunistischen Ära wurde die Vielschichtigkeit dieser Stadt immer deutlicher. Besonders spannend war zu beobachten, wie Bukarest heute versucht, den Autoverkehr zurückzudrängen und neue urbane Räume der Begegnung zu schaffen – moderne Entwicklungen treffen hier unmittelbar auf Geschichte.Im Stadtpark konnten wir kurz verweilen, bevor wir uns mit unserem rumänischen Freund Florin Bădău trafen. Seit vielen Jahren als Teamer für den Workcamps aktiv, begleitet ihn eine enge Verbindung zum Volksbund. Neben der großen Wiedersehensfreude schenkte er uns eine besondere Stadtführung mit vielen persönlichen Einblicken in seine Heimatstadt.

Gemeinsam besichtigten wir unter anderem das Holocaust-Mahnmal von Bukarest sowie mehrere Orte, die an die Rumänische Revolution von 1989 erinnern. Damals gingen hunderttausende Menschen gegen das kommunistische Regime auf die Straße. Die Proteste begannen in Timișoara und breiteten sich rasch über das ganze Land aus. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen und vielen Todesopfern wurde Diktator Nicolae Ceaușescu schließlich gestürzt – ein historischer Wendepunkt für Rumänien und der Beginn des Weges in die Demokratie.

Am symbolischen „Kilometer 0“ der Freiheit und Demokratie vor dem Nationaltheater endete schließlich unsere umfangreiche und eindrucksvolle Stadtführung. Mehr als 30.000 Schritte zeigte der Tageszähler am Abend – ein langer, intensiver Tag, der uns jedoch einen tiefen und bleibenden Eindruck von dieser faszinierenden Stadt vermittelt hat.

16. Mai 2026

Reiseblog - Der letzte Tag 

Am letzten Tag unserer Reise erwartete uns noch einmal der wärmste und sonnigste Tag der gesamten Fahrt: 26 Grad und strahlender Sonnenschein in Bukarest. 

Unser erster Programmpunkt war der Besuch des beeindruckenden Arcul de Triumf. Beim Aufstieg besichtigten wir eine Ausstellung über die Baugeschichte des Triumphbogens sowie über die Rolle Rumäniens im Ersten Weltkrieg. Rumänien trat 1916 auf Seiten der Entente in den Krieg ein, erlitt zunächst schwere Rückschläge, konnte jedoch nach Kriegsende große Gebietsgewinne verzeichnen. Von oben bot sich uns eine schöne Aussicht über die Stadt. Unser rumänischer Freund Florin erklärte uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten – dabei entstand bei uns besonders der Eindruck, dass Bukarest eine überraschend grüne Stadt mit vielen Parks und breiten Alleen ist.

Anschließend machten wir einen Spaziergang durch den nahegelegenen Park, der als beliebtes Naherholungsgebiet dient. Über eine Brücke gelangten wir schließlich zum Platz der Europäischen Union. Dort befinden sich überlebensgroße Büsten bedeutender Persönlichkeiten des europäischen Einigungsprozesses, die an die Idee eines vereinten Europas erinnern.

Ein weiterer inhaltlicher Höhepunkt war die Besichtigung der ehemaligen Residenz des Diktators Nicolae Ceaușescu. Ceaușescu regierte Rumänien von 1965 bis 1989 mit harter Hand. Seine kommunistische Diktatur war geprägt von Überwachung, Personenkult und wirtschaftlicher Not, bis er schließlich während der Revolution von 1989 gestürzt wurde. Besonders überraschend war für uns der weitläufige Garten der Residenz, den wir zum Verweilen nutzten – ebenso wie die dort gehaltenen Strauße, die wir an diesem Ort nicht erwartet hätten.

Danach blieb noch etwas Freizeit, um Souvenirs zu kaufen und ein letztes Mal die rumänische Küche zu genießen.

Am Abend besuchten wir zum feierlichen Abschluss der Reise die Romanian National Opera. Dort bestaunten wir das Ballettstück Coppélia. Das Werk erzählt die Geschichte des jungen Franz, der sich in die scheinbar lebendige Puppe Coppélia verliebt, die vom exzentrischen Erfinder Coppélius geschaffen wurde. Seine Verlobte Swanilda deckt schließlich den Irrtum auf, und am Ende siegt die Liebe über die Täuschung. Die eindrucksvolle Darbietung und die Musik machten den Opernabend zu einem würdigen Abschluss unserer Reise.

So endete unsere Reise durch Siebenbürgen, Transsilvanien und Bukarest – voller neuer Eindrücke, geschichtlicher Begegnungen und unvergesslicher Erlebnisse.

Epilog

Eine Reise geht zu Ende – und zurück bleiben viele Eindrücke, Begegnungen und Erinnerungen.

Die Tage in Rumänien waren geprägt von einem vielseitigen Programm, bewegenden Gesprächen und dem gemeinsamen Entdecken eines Landes, das durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts tief geprägt wurde und sich heute zugleich als moderner Staat mit einer reichen und vielschichtigen Kultur zeigt.

Besonders wertvoll war dabei nicht nur das Gesehene, sondern das Miteinander. Aus Fremden wurden Freunde – und genau darin liegt vielleicht der größte Erfolg dieser Reise. Der Austausch, die gemeinsamen Erfahrungen und die vielen Gespräche haben gezeigt, wie wichtig persönliche Begegnungen für gegenseitiges Verständnis sind.

Die Reise hat außerdem deutlich gemacht, welches Potenzial im weiteren Austausch zwischen Deutschland und Rumänien steckt. Gerade ein Workcamp des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge könnte dafür ein wichtiger Schritt sein. Alles, was es dafür braucht, ist vorhanden: engagierte Teamerinnen und Teamer, pflegebedürftige Kriegsgräberstätten und viele sehenswerte Orte, die Geschichte erfahrbar machen.

Vor allem aber bleibt die Erkenntnis, dass Verständigung zwischen Kulturen nur gemeinsam wachsen kann – durch Begegnung, Offenheit und das ehrliche Interesse am Gegenüber. 

Dominic Lagoski