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Meldungen aus dem Landesverband Sachsen
Meldungen aus dem Landesverband Sachsen

16 Jahre "Karfreitagsgefecht" 2010-2026

Volksbund, Landtagspräsident und Bundeswehr gedenken des gefallenen Stabsgefreiten Hartert

 

Am 02. April 2010, einem Karfreitag, standen Soldaten des deutschen Fallschirmjägerbataillons 373 in der Nähe von KUNDUZ im Gefecht mit afghanischen Kräften. Dabei fielen drei deutsche Soldaten - die ersten Gefechtsverluste der Bundeswehr seit ihrer Aufstellung (1955) und zudem die ersten deutschen Gefallenen seit 1945. Auf dem Friedhof in Wilsdruff fand der Stabsgefreite Robert Hartert seine letzte Ruhe in einem Ehrengrab der Bundeswehr.

Landtagspräsident Dierks verliest das Totengedenken / Bild SLT

"Wanderer kommst Du nach Sparta, sage Du habest liegen uns sehen, wie das Gesetz es befahl."  Jenes Epigramm des Simonides von Keos zur Schlacht an den Thermopylen (480 v. Chr.) formuliert mit anderen Worten die Grundpflicht des § 7 Soldatengesetz: "Der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen".

Jedes Jahr am 2. April gedenken die Bundeswehr, der Volksbund, Vertreter des Landtags sowie der Reservistenverband der drei Gefallenen des "Karfreitagsgefechts" *) vom 2. April 2010, in dem erstmals seit 1945 deutsche Soldaten den Tod im Gefecht fanden.

Einer der Gefallenen, der Stabsgefreite Robert Hartert (1984-2010), ruht in einem Ehrengrab der Bundeswehr auf dem städtischen Friedhof in Wilsdruff.

Am 16. Jahrestag des Karfreitagsgefechts trafen dort Repräsentanten von Bundeswehr, Landtag, Reservistenverband und Volksbund zusammen, um Robert Harterts, stellvertretend für alle Einsatztoten der Bundeswehr, zu gedenken. In einer kurzen Begrüßung formulierte der Vizepräsident des Volksbunds, Detlef Fritzsch, Gedanken zum Sinn militärischen Dienens in der Gegenwart und zur Verantwortung der Gesellschaft für das Andenken an jene, die Leben und Gesundheit für ihr Vaterland einsetzten. Anschließend sprach der Kommandeur des Landeskommandos Sachsen, Oberst Tkotz, über seine eigenen Erinnerungen an jenen 2.4.2010 und die ersten Beisetzungen von in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten. Zuletzt reflektierte der kath. Militärdekan Rehberg aus Dresden über den Sinn des Einsatzes in Afghanistan und schloß mit einem Vaterunser.

Anschließend verlasen Landtagspräsident Dierks das Totengedenken des Volksbunds und Oberst Tkotz das Einsatzgedenken **). Den kuzren “Feldgottesdienst” beschlossen Kranzniederlegung und Schweigeminute.

Es nahmen teil: Der Präsident des Sächsischen Landtags und Vorsitzende des Volksbunds in Sachsen Alexander Dierks, MdL - Bundeswehr: der Kommandeur Landeskommando Sachsen Oberst Tkotz - Reservistenverband: Oberst d.R. Scharf -  Volksbund, Detlef Fritzsch (Vizepräsident), Major d.R. Dr. Dirk Reitz (Landesgeschäftsführer), Militärseelsorge: der kath. MilDek Rehberg und der ev. MilDek Kaiser aus Dresden sowie 16 Veteranen, 

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*) Eine Darstellung der, "Karfreitagsgefecht" genannten, Gefechtshandlungen im Raum Kunduz, die mittlerweile Teil der jüngeren deutschen Militärgeschichte sind, finden Sie hier: 

Kampf bei Isa Khel. Das Karfreitagsgefecht vom 2. April 2010

http://heereslogistik.at/docs/2018/1_zmg20182gesamtefinternet.pdf

In der Falle Isa Khel – das Karfreitagsgefecht (volksbund.de) 

Seit 2011 gibt es zudem das Rechtsinstitut des „Ehrengrabs der Bundeswehr“, das nicht zuletzt auf Anregung des Volksbunds entstand.

Ein „ewiges“ Ruherecht – wie es den Toten der Weltkriege des 20. Jahrhunderts zusteht – bleibt den gefallenen deutschen Einsatzkräften, zu denen u.a. zahlreiche Polizeibeamte gehören, einstweilen vorenthalten. Mit dem Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin und dem "Wald der Erinnerung" in Potsdam entstanden seit 2004 Gedenkorte, die dem dauerhaften Gedenken an die Toten der heutigen deutschen Armee gewidmet sind. Der Wald der Erinnerung (bundeswehr.de) . Anders als andere Armeen verfügt die Bundeswehr bisher über keine zentrale militärische Begräbnisstätte, wie den historischen Invalidenfriedhof (Invalidenfriedhof – Wikipedia)  in Berlin oder den amerikanischen Militärfriedhof in Arlington Arlington National Cemetery - Home. Die Bundewehr gedenkt ihrer Einsatztoten u.a. am Ehrenmal Layout 1  am Dienstsitz des BMvg in Berlin 

Der Freistaat Sachsen schuf im Sächsischen Bestattungsgesetz eine Regelung (SächsBestG § 6a), die auf Antrag der Angehörigen ein dauerndes Ruherecht und die Übernahme der Pflegeaufwendungen durch den Freistaat sichert. https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/4526-Saechsisches-Bestattungsgesetz#p6a. Eine entsprechende Regelung befindet sich in Sachsen-Anhalt derzeit im Gesetzgebungsverfahren, in den andern Bundesländern bleibt dies einstweilen ein Desiderat.. 

Es bedarf nicht der mythischen Überhöhung des Todes auf dem Schlachtfeld im Sinne eines „dulce et decorum  ... ", doch bleibt es ein stetiges Memento, dass der Tod des Soldaten eben kein „privater“ Tod ist.

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**) Das „Einsatzgedenken“  ist ein Versuch, dem Tod im Einsatz mit einer zeitgemäßen Memorialformel gerecht zu werden. Pflicht - Einsatz - Tod - Verzweiflung/Freitod - Trauer - Hoffnung kennzeichnen den Einsatz und dessen Folgen für Beteiligte, Angehörige und Gesellschaft.

Wir gedenken heute auch aller Menschen, unserer eigenen und jener der internationalen Gemeinschaft, die in ihrem Einsatz gegen Gefahren, Unrecht und Gewalt gestorben sind. 

In fernen Landen oder in der Heimat, immer in Ausübung ihres Dienstes zum Schutz und Wohl anderer Menschen, ob als Soldat, Polizist, Diplomat oder als ziviler Helfer.

Wir denken auch an diejenigen, die ihren Einsatz zwar überlebt haben, jedoch aus den Schrecken und den dunklen Erinnerungen der Gewalt, die sie erleben mussten, nicht mehr zurück finden in ein unbeschwertes Leben.

Und wir gedenken derer, die sich deshalb das Leben nahmen.

Die Menschen, derer wir gedenken, waren mehr als Einsatzkräfte. Sie waren auch Kinder, Geschwister, Eltern, Freunde. 

Denken wir hier und jetzt auch an die Menschen, die um die Verstorbenen trauern und lernen müssen, dem Verlust eines geliebten Menschen zum Trotz weiterzuleben.

Wir wollen uns diesen Menschen öffnen und sie fragen, was ihnen hilft, ihren Schmerz zu bewältigen. Wir wollen Anerkennung zeigen für die, die sich in dieser Zeit für uns in Gefahr begaben und darin umkamen. Das sind wir den Verstorbenen schuldig. Das ist unsere Aufgabe.

Lasst uns aber auch erinnern, dass die Liebe den Tod besiegt.

Wir dürfen hoffen, dass der Tod als Ende auch ein neuer Anfang ist.

Optional: Gemeinsam, unabhängig von unserer Herkunft und unserem Bekenntnis, wollen wir zu unserem Schöpfer rufen: Herr, nimm die Verstorbenen auf in Dein Reich und schenke Ihnen die Fülle des Lebens mit Dir!

Amen

Nach Thomas Krafft – München 2020

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Text: Dr. Dirk Reitz